Rechtsanwälte in Mallorca

Beiträge

Der Kongresspalast. Abgesang mit Ansage

BLOG
30 Juli 2012

Nun ist es amtlich: die Arbeiten am Kongresspalast werden vorläufig eingestellt, einen Termin für die Wiederaufnahme der Arbeiten gibt es erst mal nicht. Die Fassade soll allerdings noch für 2 bis 3 Mio € fertig gestellt werden, um den Eindruck eines „Gespenster-Gebäudes" (edificio fantasma) zu vermeiden, ein Potemkinsches Dorf also in Palma, vorne eine glänzende Fassade, dahinter Rohbau. Wie konnte das alles schief gehen?

Der Kongresspalast entstand unter politischer Führung, bei einem rein kommerziellen Projekt eigentlich ungewöhnlich, aber ein Prestigeobjekt ist für jeden Politiker verlockend. Dennoch: gerade dann muss man sich die Frage stellen, wann und wie denn dieses (Steuer-) Geld zurückgeführt, welche Rendite denn erwirtschaftet werden kann. Derzeit sind 78 Mio Euro ausgegeben, das Gesamtprojekt sollte 112 Mio € kosten.

Ob das viel oder wenig ist, ist die falsche Frage, entscheidend ist, ob der Ertrag, also im konkreten Fall die Pacht oder die Betreibergebühren in einem vernünftigen Verhältnis zu diesem Aufwand stehen. Es wurde versäumt, nach dem Ausstieg von Barceló und vor jeglichem Weiterbau eine verbindliche Vereinbarung mit einem neuen Betreiber zu treffen. Solange das nicht der Fall war, hätte man den Bau einstellen müssen, nicht heute. Denn selbstverständlich hätte Meliá das heute angeblich so schockierende „Mini-Angebot" auch schon vor fünf Jahren machen können. Für deren Wirtschaftlichkeitsberechnung braucht man kein fertiges Gebäude, sondern allenfalls Pläne und Baubeschreibungen.

Die verbindliche Klärung des Ertrages in einer frühen Phase ist also entscheidend, vorher hätte eigentlich kein Bagger anrollen dürfen und es ist doch eine Binsenwahrheit, dass bei einer Gewerbeimmobilie deren Wert (=Kaufpreis) ausschließlich auf der Basis der Rendite berechnet wird. Man kann also aus dem Angebot Melià leicht hochrechnen, was der Kongresspalast heute im Verkauf bringen würde. Wen wundert´s: Man sucht händeringend nach einem Betreiber, nicht aber nach einem Käufer, weil man sehr genau weiß, dass der Marktwert dieser Immobilie heute allenfalls bei der Hälfte der Gesamtinvestition liegen dürfte.

Man hat sich auch der Illusion hingegeben, es würde ein „Bieterwettbewerb" zwischen vielen Interessenten stattfinden. Dabei war doch von Anfang an klar, dass nur die „üblichen Verdächtigen" infrage kommen würden, nämlich vor allem die auf der Insel ansässigen bekannten Hotel-Unternehmen. Preisabsprachen müssen die erst gar keine treffen, denn die sehen sich sowieso ständig. Trotzdem tut man erstaunt, dass nur ein einziges (!) Angebot abgegeben wurde. Die genannten Hotel-Unternehmen sind Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen wollen und das machen sie nicht schlecht, Barceló, Riu und Melía gehören zu den profitabelsten Unternehmen in Mallorca, rechnen können die also.

Jetzt hat sich die Eigentümergesellschaft vollends in die Hand der Betreiber begeben, letztlich wird ihr gar nichts anders übrig bleiben als (fast) jedes Angebot zu akzeptieren, Alternativen gibt es dazu nicht, außer Verkauf , aber dazu s.o.

Und so hat man der Opposition den perfekten Pass in die Tiefe zugespielt: bald wird wieder von Korruption die Rede sein und auch der Abriss wird schon gefordert (das könnte ja dann kostengünstig gemeinsam mit dem Gesa- Gebäude erledigt werden…).

Ob man daraus Lehren ziehen wird? Ich bin nicht sicher. Die absurde Idee einer Formel 1 Rennstrecke auf Mallorca geistert ja immer noch in einigen Köpfen herum und Palma-Arena ist nun wirklich schon sehr lange her.

Wir senden Ihnen gerne unsere aktuellen Beiträge.

subir