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Duzen als Beleidigung

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8 April 2016

Wenn man nach grundsätzlichen Unterschieden zwischen deutschen und spanischen nationaltypischen Umgangsformen sucht, so wird man unweigerlich darauf kommen, dass in Deutschland das förmliche „Sie“ als Anrede unter Erwachsenen üblich, eigentlich sogar zwingend ist, während man in Spanien ohne Umschweife und ungefragt fast immer mit „tu“ angeredet wird und „Usted“ als Anrede zur Ausnahme wird (vor Behörden und Gerichten oder als Respektsäußerung).

Kaum vorstellbar, dass ein Spanier nach einigem Räuspern dem nun schon langjährig Bekannten „das DU anbietet“ (natürlich nur der Ältere dem Jüngeren) und dann auch noch, zur Besiegelung des Ganzen, mit merkwürdig ineinander ver schränkten Armen ein Glas leert, einfach albern!

Dass das freimütige Duzen in Deutschland Probleme auslösen kann, hat unter anderem Dieter Bohlen erfahren dürfen. Man hätte ihn sicher nicht im Verdacht, in Deutschland zur Weiterentwicklung des Rechtes beizutragen. Er hatte einen Polizeibeamten, der ihn wegen Falschparkens belangen wollte, ungefragt geduzt. Dies gilt nach üblicher deutscher Rechtsprechung, man mag es kaum glauben, als Beleidigung. Prompt beantragte die Staatsanwaltschaft deswegen einen Strafbefehl gegen Bohlen. Was aber für ein Normalbürger mit Sicherheit in einer empfindlichen Geldstrafe geendet hätte, blieb für den Schlagersänger ohne Folgen. Das Gericht vertrat die Auffassung, dass bei Bohlen „das Duzen zu seinen normalen Umgangsformen“ gehöre, so dass man sein Verhalten gegenüber dem Polizeibeamten als reine „Unhöflichkeit ohne ehrverletzenden Inhalt“ werten müsse, und man sah deshalb von einer Bestrafung ab.

Herr Bohlen darf also ab sofort freimütig Polizei und Amtspersonen duzen. Ich meine, man sollte es nicht unbedingt darauf anlegen, aber wenn das Herr Bohlen sogar per Gerichtsbeschluss darf, warum dürfen wir alle dann nicht Polizeibeamte duzen. Da war doch mal irgendwas mit „Gleiches Recht für Alle?“ Wenn Sie als das nächste Mal in Deutschland einen Polizeibeamten versehentlich duzen, weisen Si e ihn doch mal auf Art. 1 des Grundgesetzes hin. Da steht nämlich drin, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind.

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