Rechtsanwälte in Mallorca

Beiträge

Ecotasa 2. Versuch

BEITRÄGE
8 April 2016

Eigentlich glaube ich ja nicht an Zombies und Horrorfilme mag ich sowieso nicht, aber an beides wird man schon erinnert, wenn man die entschlossenen Bemühungen der neuen Balearen -Regierung sieht, die Ecotasa wieder einzuführen, die schon einmal in den Jahren 2001- 2003 grandios gescheitert war. Touristen sollen nämlich für jeden Tag ihres Aufenthaltes auf Mallorca eine zusätzliche Tagesgebühr von 1- 2 Euro bezahlen. Noch ist offen, ob sie den anreisenden Touristen gleich bei der Anreise am Flughafen oder aber von den Hotels abgeknöpft werden soll.

Diesmal soll es jedenfalls nach dem Wunsch der Politiker klappen und damit Grund genug, sich damit zu beschäftigen. Gut fängt es schon mal nicht an, denn eigentlich stimmt an dem Begriff der Ecotasa gar nichts, denn sie ist weder umweltorientiert, (“Eco…”), noch ist sie eine Gebühr (“…tasa' ).

1. Wenn es um einen entschlossenen Schutz der Umwelt gehen würde, kann man ja kaum die Auffassung vertreten, dass ausschließlich Touristen die Umwelt belasten. Es kann doch nicht angehen zu behaupten, dass ein Tourist die Umwelt stärker beansprucht als ein Resident oder Mallorquiner. Wer wirklich die Umwelt strapaziert kann man dann erkennen, wenn man an einem späten Sonntagnachmittag mal an den Stränden entlang spaziert.

Und wenn man schon die Umwelt schützen will, warum geht man nicht an diejenigen ran, die sich in teilweise grausamer Weise gegen die Umwelt in Mallorca versündigt haben, zum Beispiel Hotels direkt auf den Strand gebaut haben oder die Verantwortlichen dafür, dass Fäkalien offenbar nach wie vor ins offene Meer gepumpt werden. (Gerade erst vor ein paar Tagen am 4. Juli wurde der Strand in Ciudad Jardin am 04. Juli wegen des Bruches eines Abwasserrohres gesperrt, so dass die Fäkalien gleich am Strand blieben und es leider nicht etwas weiter raus ins Meer schafften).

2. Nicht vergessen darf man auch, dass eine “Gebühr” (tasa) dem zahlenden Bürger eine konkrete Gegenleistung zusichern muss (zB. Gerichtsgebühren, Müllabfuhr). Darf man wirklich erwarten, dass die gesamten Einnahmen aus der Ecotasa ausschließlich und definitiv dazu verwendet werden, die touristische Infrastruktur zu verbessern? Wird es ein Kontroll -Gremium geben, in dem natürlich die zahlenden Touristen vertreten sein müssen, das alle Ausgaben überwacht?

Darf man in Mallorca demnächst, wie bei der deutschen Kurtaxe, mit einem (natürlich kostenlosen) Kur-Orchester rechnen? Eventuell die Einführung eines “Bonusheftes” , in dem die Wohltaten für den Touristen aufgeschlüsselt werden? Wie wäre es denn mit der kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für die Touristen; immerhin, das wäre doch ein unbestreitbarer Beitrag zum Umweltschutz! Aber ich fürchte, so weit geht es mit “Eco” dann doch nicht. Man darf also gespannt sein, wie diese “Umweltgebühr” ausgestaltet und deren Verwendung begründet und nachgewiesen wird.

3. Eines aber wissen die Politiker merkwürdiger Weise jetzt schon ganz genau: den Touristen wird die Zahlung diese Gebühr nichts ausmachen, das zahlen sie gern. Und das ist doch wirklich ein cleverer Schachzug, dass man diese Gebühr ausgerechnet den Leuten zumutet, die den fraglichen Politiker gar nicht wählen konnten. Wie wäre es denn mit einem Realitätstest? Was würden wohl die eigenen Wähler sagen wenn, man ihnen eine solche Gebühr zumuten würde, was eigentlich ja nur logisch wäre, den deren jahrelanger Einfluss auf die Umwelt ist doch deutlich höher als bei einem Touristen, der nach ein paar Tagen wieder abreist?

Nicht die Touristen haben die Umwelt in Mallorca geschädigt, sondern all diejenigen, die direkt oder indirekt davon profitiert haben, und hierzu gehört nun einmal der Staat selbst, der die Steuern, die durch die Tourismuseinnahmen generiert wurden, eben nicht dafür eingesetzt hat, eine vorbildliche Infrastruktur zu schaffen. Wenn man nun also die Umwelt retten oder verbessern will, was ja an sich ein sehr löbliches Unterfangen ist, muss genau dort ansetzen.

Und man kann durchaus am Flughafen ansetzten: Genau diese Politiker können sich da hinstellen und sich bei jedem Touristen dafür bedanken, dass er Mallorca zu seinem Urlaubsziel gewählt hat. Und damit würde er sich sogar bei seinen Wählern beliebt machen, deren Mehrheit garantiert überwiegend direkt oder indirekt vom Tourismus leben.

Wir senden Ihnen gerne unsere aktuellen Beiträge.

subir