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Mallorca, Tourismus und lokales Engagement

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19 Oktober 2011

Der Sommer ist vorbei und trotz allem Krisengerede kann man von einer erfolgreichen Tourismussaison sprechen. Die Betten jedenfalls waren voll, die Restaurants und Geschäfte allerdings weniger und über die Preise wird auch gemeckert, und das gleiche auch von zwei Seiten. Die Touristen beklagen, Mallorca sei sehr teuer geworden und das Preis-Leistungs-Verhältnis sei mies, und die Restaurants klagen über ausgabenunwillige Gäste. Ja, wer hat denn nun recht? Eigentlich ist die Antwort doch ganz einfach: in der Hotellerie und der Gastronomie hat der Gast einfach immer recht.

Ich persönlich finde die Klagen der Gastronomen unangemessenen, kurzsichtig und nachgerade dumm. Da wird doch beispielhaft der Inhaber einer Pizzeria mit der Geschichte zitiert, es habe sich doch neulich tatsächlich ein Pärchen in seinem Restaurant niedergelassen, habe gemeinsam eine einzige (!) Pizza bestellt, aber keinerlei (!) Getränke und bejammert sodann ausgiebig den" bajo poder adquisitivo", also salopp gesagt, die Ausgabenunlust seiner Gäste. Da ich ja einen Teil meines Lebens damit verbringe, Ratschläge zu erteilen, hätte ich es hier so gerne auch einmal getan:

Warum hat dieser Restaurantbesitzer nicht einfach zwei Gläser Wasser genommen, sie zu dem Tisch gebracht, sie den Gästen angeboten, sich zu ihnen gesetzt und sie ganz einfach gefragt, woran denn die von ihm einfach so unterstellte Sparsamkeit liegen könnte. Die zwei Gläser Wasser hätten ihn preislich nichts gekostet, er hätte den beiden Touristen eine erzählenswerte Geschichte geboten und er selbst hätte endlich mal ein paar nützliche und interessante Informationen erhalten. Aber so bleibt die Mär von den Touristen, die sich hartnäckig weigern, Geld auszugeben und kann nächste Saison gleich wieder erzählt werden.

Und so bleibt es bei der eingangs geschilderten Klage. Die Frage, warum denn die vielen spanischen Familien, die im Umfeld seiner Pizzeria ihre Wohnungen haben, nicht regelmäßig seine Pizza konsumieren (natürlich mit mindestens einer Flasche Wein) bleibt ungestellt.

Also könnte man wenigsten glauben, dass wenigstens im Hotelbereich alles in bester Ordnung ist. Immerhin: aus Mallorca stammen viele der erfolgreichsten Hotelkonzerne Europas, die Familie Escarrer (Melía), Riu, Fluxá (Iberostar), Barceló. Die müssten doch dafür sorgen, dass vor ihre Haustür die besten (natürlich eigene) Hotels stehen, auf die sie stolz sein könnten. Aber das ist erstaunlicherweise weit gefehlt; diese Konzerne bauen Hotels überall auf der Welt, aber eben nicht in Mallorca, komisch, oder?

Nun lässt sich Meliá dafür feiern, dass in Magaluf ein neues Hotelprojekt der Gruppe (Sol Calvía Resort) entstehen soll. In einem Interview mit dem Diario de Mallorca vom 9. Oktober lässt sich der Konzernchef dafür feiern, aber gesteht so ganz nebenbei, „…dass Melía das letzte Hotel in Mallorca vor 38 Jahren gebaut hat." Unfassbar, oder? Und kein Journalist, der da nachfragt.

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