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Rechtsanwalt vs Steuerberater

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19 Februar 2013

In der juristischen Ausbildung muss man wirklich eine Menge lernen, der Stoff ist unüberschaubar, allein das öffentliche Recht bietet vom Verfassungsrecht bis zum Gemeindrecht eine Fülle von völlig unterschiedlichen Rechtsgebieten.

Dabei gibt es ein überaus wichtiges Fachgebiet, das in der Anwaltsausbildung fast völlig auf der Strecke bleibt und das ist das Steuerrecht. Jeder weiß, dass Juristen nicht rechnen können (judex non calculat), Rechtsfragen stehen rangmäßig über Steuerproblemen und insgeheim haftet dem Thema doch auch eine gewisse Spießigkeit an, oder? Soviel zur Theorie.

Ein Anwalt, der so denkt, kann gleich einpacken, denn der wird keinen Boden unter die Füße bekommen. Das Steuerrecht hat in den letzten Jahren immens an Bedeutung gewonnen, und kein Anwalt kann es sich leisten, ohne gute Kenntnisse im Steuerrecht auszukommen. Die meisten Steuerberater waren schlauer und haben sich umgekehrt rechtzeitig zumindest Grundkenntnisse in Rechtsfragen angeeignet.

Wenn man sich nur einmal alle gesetzliche Neuerungen in Spanien aus dem Jahr 2012 anschaut wird man schnell feststellen, dass diese weitaus überwiegend Steuerfragen betrafen, das Ganze gewürzt auch noch durch „Änderung von Änderungen" und „Verbesserungen von geänderten Neuerungen", also insgesamt doch ein perfektes Spielfeld für einen cleveren und sachkundigen Steuerexperten. Der Nachteil liegt allerdings darin, dass oft die Zeit zu einer konsequenten Analyse dieser Gesetzestexte fehlte, dies verstärkt durch eine gelegentlich mangelnden Präzision der gesetzlichen Formulierungen, die einen immensen Interpretationszeitraum zuließ. Dies hat dazu geführt, dass viele Veröffentlichungen und Stellungnahmen aus der letzten Zeit zum Steuerrecht durchaus kritisch betrachtet werden müssen.

Bei Steuern geht es um Geldbeschaffungsmassnahmen des Staates, da ist jedes Mittel recht. Und da, anders als bei öffentlichen Beiträgen und Abgaben, den Steuern keine konkrete Gegenleistung des Staates gegenübersteht, bleibt Sinn und Logik oft im Dunkeln. Warum gelten für Residente und Nicht-Residente unterschiedliche Steuergesetze, für die einen ein lokales, für die anderen ein staatliches Gesetz?

Der Bürger wird von Steuerpflichten quasi umzingelt, er steht in einem Minenfeld von Steuerpflichten, Fristen und Strafzuschlägen. Eine falsche Entscheidung kann ein Vermögen kosten. Hinzu kommt, dass das Steuerrecht alles andere als logisch nachvollziehbar aufgebaut ist, kein Wunder, denn das primäre Interesse des Staates geht dahin, Geld zu kassieren und nicht dahin, dass der Bürger das auch verstehen muss. Nur ein Beispiel: wer käme schon auf die Idee, dass für die Löschung eines Nießbrauchs eine „Vermögens-Übertragungs-Steuer" (Impuesto sobre Transmisiones Patrimoniales, ITP) fällig wird, obwohl es weder um „Vermögen" (sondern um ein persönliches Recht) noch um eine „Übertragung" (sondern um Löschung) geht. Die Löschung einer Hypothek kostet hingegen gar keine Steuern.

Wer das alles ohne sachkundige Beratung schafft, dem kann man nur gratulieren. Bevor aber der Eindruck entsteht, dass nun Steuerberater die Macht übernommen haben, darf man nie übersehen, dass die wichtigste Grundregel in Kraft bleibt: Man darf niemals eine Entscheidung „aus steuerlichen Gründen" treffen. Jede Entscheidung muss zunächst einmal einen (wirtschaftlichen oder persönlichen) Sinn haben und rechtlich solide umgesetzt werden; erst dann darf man sich der Frage zuwenden, wie man ein solches Konzept am besten steuerlich gestaltet. Und deshalb lautet die richtige Regel doch: Recht geht vor Steuern.

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