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Saftige Erhöhung der Grunderwerbssteuer ab 1. Mai 2012

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2 April 2012

Saftige Erhöhung der Grunderwerbssteuer ab 1. Mai 2012

Das Kabinett hatte es schon am 09. März beschlossen, aber eine verbindliche gesetzliche Regelung fehlte noch: Die „Grunderwerbssteuer“, in Spanien geregelt innerhalb des Gesetzes über Vermögensuebertragungen (Ley sobre el Impuesto sobre Transmisiones Patrimoniales; ITP) sollte drastisch erhöht werden. Dennoch: der tägliche Blick in das Veröffentlichungsblatt der Balearen (Boletin Oficial de las Islas Baleares; BOIB) brachte zunächst nur Fehlanzeigen.

Erst am Samstag, den 31. März wurde das entsprechende Gesetzesdekret Decreto-Ley 4/2012 de 30 de marzo de medidas tributarias para la reduccion del deficit de la Comunidad Autonoma de las Islas Baleares; (steuerliche Maßnahmen zur Reduzierung des Defizits der Balearen) rasch in das Veröffentlichungsblatt BOIB gehoben. Auch da musste man erst ganz lange lesen, denn erst in der Ersten Zusatzbestimmung (Disposicion Final Primera) findet sich die gesuchte Steueranhebung.

Aber es gibt einen kleinen Trost: Offenbar um diejenigen Parteien, die sich derzeit in Abschlussverhandlungen befinden, nicht zu schädigen, treten diese Steuererhöhungen (nur die der Grunderwerbssteuer!) erst am 01. Mai 2012 in Kraft (Erste Übergangsbestimmung Ziff 1.), nicht also schon ab 01. April, wie gelegentlich gemeldet wurde.

Ab dem 01. Mai.2012 gelten entsprechend auf den Balearen bei Immobilienübertragungen folgende Steuersätze:

bis 300.000 € 7%
über 300.000 bis 500.000 €         
8%
über 500.000 bis 700.000 € 9%
über 700.000 € 10%


Maßgebend ist dabei der jeweils höhere der beiden Werte: der angegebene Wert (valor declarado) oder der reale Wert (valor real). Sonderregelungen gelten für den Fall, dass auch maximal zwei Garagen mitverkauft werden.

Neu ist auch, dass die Steuersätze gleitend sind, mit der Folge also dass, anders als bisher nicht ein fester Satz (bisher 7 %) auf den Kaufpreis angewandt wird:

Berechnungsbeispiel (1): bei einem Immobilienwert von 600.000 € gilt für den Wert bis 500.000 € ein Steuersatz von 8 % also 40.000 €, für die weiteren 100.000 € sodann 9 %, mithin 9.000 €, so dass die gesamte Steuerschuld in diesem Fall 49.000 € beträgt.

Berechnungsbeispiel (2): bei einem Immobilienwert von 2.000.000 € gelten für 700.000 € 9% Steuern, also 64.000 €, der überschießende Betrag von 1.300.000 € ist mit 10 % zu versteuern, also 130.000 €, insgesamt sind also 194.000 € zu zahlen.

Insgesamt ist das für den Immobilienmarkt Mallorca mit eher hochwertigen Immobilien eine schlechte Nachricht, da steht jeder Prozentpunkt mehr oft für den Wert eines Kleinwagens. Fest steht: In Zukunft werden sich die meisten Immobilientransaktionen verteuern.

Offenbar wird damit aber auch eine steuerliche Ungleichbehandlung, die nur schwer nachzuvollziehen ist: für Erstverkäufe von Immobilienentwicklern wurde vor einigen Monaten der anwendbare Mehrwertsteuerersatz (IVA) auf 4 % reduziert und damit halbiert; ein privater (Weiter-) Verkäufer muss seinem Kaufinteressenten aufgrund der Neuregelung jetzt hingegen Transaktionskosten in mehr als doppelter Höhe (bis zu 10 %) in Aussicht stellen, fair ist das nicht, aber wie schon der Titel des Gesetzes aussagt, es geht ja hier nicht um den einfachen Bürger oder um Gerechtigkeit, sondern vielmehr um die Reduzierung des Defizits der Balearen.

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