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Sind die Banken wirklich an allem schuld ?

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28 Dezember 2011

Derzeit beschäftigt die „Occupy"-Bewegung die Medien und die Öffentlichkeit. Den Exzessen der Finanzbranche, völlig überzogenen Bonus-Zahlungen und grenzwertigen Finanztransaktionen soll endlich das Handwerk gelegt werden. Alles das ist völlig richtig. Die Finanzwelt hat sich von ihrer ureigenen Aufgabe entfernt und ist tatsächlich zu einem „Casino" geworden. Und das ist nicht etwa eine üble Beleidigung, sondern einfache Realität Es wird gezockt, und wo auf der einen Seite ein strahlender Sieger steht, muss es auf der anderen Seite einen geknickten Verlierer geben. Wie kann es sein, dass an den Warentermin-Börsen in Chicago und London mehr Rohstoffe gehandelt und „verkauft„ werden, als es sie überhaupt gibt? Das ist dekadent und pervers, dient keinem wirtschaftlichen Zweck und muss beendet werden.

Dabei haben Banken doch klar definierte und auch für uns alle wichtige Aufgaben, sie sollen auf die Einlagen (unsere Ersparnisse) gut aufpassen und sie vermehren und sie sollen die Wirtschaft mit Krediten versorgen. Leider gibt es in beiden Bereichen Nischen, die zur Erfüllung dieses oben beschriebenen wichtigen Zwecks unerlässlich sind, aber, sobald sie von dem Grundgeschäft entkoppelt werden, ein Eigenleben gewinnen, das nur eine einzige Funktion hat die ich oben beschrieben habe: ZOCKEN.

Ein Beispiel: Die großen deutschen Industrieunternehmen leben vom Export. Es ist daher für sie überlebenswichtig, dass sie auch langfristig wissen, zu welchem Preis sie ihre Produkte in den Länder verkaufen können, in denen nicht der Euro gilt, sondern irgendeine andere Währung. Um diese Planungssicherheit zu gewinnen müssen diese Unternehmen, und da kommen wieder die Banken ins Spiel, diese fremde Währung, zum Beispiel den US-Dollar oder das britische Pfund, langfristig absichern. So ist eine Bank gerne bereit, einen gewissen Dollarkurs für ein Industrieunternehmen auf zwei Jahre zu garantieren, dies alles natürlich gegen entsprechende Bezahlung. Diese „Prämie" zahlt aber das deutsche Unternehmen gern, weil enorme Umsätze in diesen Exportmärkten auf dem Spiel stehen.

So weit so gut. Warum sollte man aber nicht hingehen und diese Sicherungsgeschäfte ohne das deutsche Industrieunternehmen vorzunehmen? Man kann doch einfach auf den Kurs einer Währung, ob nach oben oder nach unten, wetten. Und genau das ist geschehen und dabei sind diese Devisen-Wetten nur ein kleiner Anfang, aber genau daran haben sich zahlreiche deutsche Kommunen die Finger verbrannt. CCS heißt das Zauberwort Cross Currency Swaps. Das Spiel geht so: Darlehn in schweizer Franken (sfr) aufnehmen, vielleicht sogar auf dem unbelasteten Haus in Mallorca (ca 1, 5 % Zinsen kostet das) und das Geld in (zB) in türkische Lira (TRY) umtauschen und als Festgeld anlegen (dafür gibt’s dann 9,50 % für ein Jahr). Klingt doch eigentlich gut, oder? 8 % Profit im Jahr, und das alles, ohne eigenes Geld einzusetzen. Nur, wer das vor 2 Jahren gemacht hat, hat richtig Geld verloren, denn der Wechselkurs des sfr ist durch die Decke gegangen, und die TRY reichen bei weitem nicht mehr, um das sfr Darlehn zurückzuzahlen.

Jetzt stehen Zelte von protestierenden Bürgern vor den großen Bankzentralen, ob das irgendetwas ändert? Leider hat aber die Politik gepennt, wie es scheint, ist sie leider in keiner Weise den Finanzakrobaten gewachsen und dann auch noch viel zu langsam: Was an der Börse in Millisekunden abgewickelt wird braucht in der Politik aufgrund von demokratischen Prozessen oft Monate, abgesehen davon fehlt der Sachverstand. Unser Wirtschaftsminister ist ausgebildeter Arzt.

Da die Politik in dieser Frage versagt hat ist es tatsächlich an den Banken, Selbstdisziplin zu üben. Aber wer verzichtet schon gerne auf Bonus-Zahlungen, gerade wenn er mit anderer Leute Geld spielen darf? Dennoch müssen wir auf dieser Einsicht hoffen. Wir alle brauchen die Banken mehr denn je. Banken einfach nur zu bekämpfen ist schon ein bisschen kurzsichtig: wenn morgen der Geldautomat kein Bargeld mehr ausspuckt und das Sparbuch auf Null gestellt wird können wir bald alle anfangen, wieder in Zelten zu leben.

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