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Sorgen um die spanische Wirtschaft trotz einer erfreulichen Tourismussaison

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7 November 2011

Die spanische Wirtschaft erzielt derzeit praktisch kein Wachstum. Die Baubranche steckt nach dem Platzen der Immobilienblase in einer schweren Krise. Der Tourismus als zweiter Grundpfeiler der Volkswirtschaft hat sich nach einem grandiosen Sommer, profitierend von dem Elend anderer Destinationen wie Tunesien und Ägypten, gerade in die karge Nebensaison verabschiedet, viele Unternehmen aus dem Tourismusbereich reduzieren ihre Belegschaft zum Ende der Sommersaison. Außer den genannten Branchen hat Spanien keine nennenswerte eigene Industrie, wo sollen also die Impulse für ein Wirtschaftswachstum herkommen?

Konsequenz: Die Arbeitslosenquote im dritten Quartal dieses Jahres hat sich auf insgesamt 21,5 Prozent erhöht, das ist der höchste Wert seit 15 Jahren. Im Vergleich zum vorangegangenen zweiten Quartal erhöht sich die Zahl der Arbeitslosen auf 4,98 Millionen. Spanien hat damit mit Abstand die höchste Arbeitslosigkeit in Westeuropa.

Anfang 2005 war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland übrigens ähnlich hoch, fast fünf Millionen. Vergleichen kann man das dennoch nicht, denn in Deutschland leben etwa 82 Millionen Menschen, in Spanien nur knapp 46 Millionen.

Zwar liegt die Staatsverschuldung deutlich unter der anderer Euro-Staaten, Deutschland eingeschlossen, dennoch muss Spanien an den Finanzmärkten, anders als Deutschland, derzeit hohe Risikoaufschläge zahlen. Wo ist denn da die Logik?

Ganz einfach, das zeigt wieder einmal, dass Schulden, egal in welcher Höhe, solange sie kein Problem sind, als der Schuldner liquide ist und seine Darlehen bedienen kann. Dieser Grundsatz gilt sowohl für Staaten, Unternehmen wie auch Privatpersonen. Und so ist es möglich, dass ein Unternehmen mit 100 Mio. € Kreditverbindlichkeiten kerngesund sein kann, aber ein anderes mit 10.000 € Schulden pleite ist.

Die beiden Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Fitch haben die Kreditwürdigkeit von zehn spanischen Banken heruntergestuft. Darunter sind die beiden börsennotierten Großbanken Banco Santander und BBVA. Fitch stufte darüber hinaus Banco Popular und Banco Sabadell herab.

Grund dafür sind die sich weiter eintrübenden Wirtschaftsaussichten Die Konjunkturschwäche dürfte den Bankensektor in den nächsten 15 bis 18 Monaten belasten.

"Nach unserer Einschätzung steht Spaniens Wirtschaft kurzfristig vor düsteren Aussichten. Die Aktivitäten am Immobilienmarkt bleiben gering und die Turbulenzen an den Kapitalmärkten haben zugenommen", so die S&P-Mitteilung.

Tut mir leid, das waren einfach zu viele Katastrophen –Nachrichten! Natürlich wird sich Spanien wieder erholen und man muss anerkennen, dass die Politik, wenn auch ansonsten heillos zerstritten, die Probleme anpackt. Ist ja auch ein bisschen peinlich: Das ging schnell: vom größten Netto-Empfänger der EU zum Sorgenkind, das in einem Namen mit Griechenland und Portugal genannt wird.

Wie schafft man nun Geld in die klammen Kassen?, Na klar, es muss was verkauft werden. Dass es dabei keine Tabus gibt macht deutlich, dass sogar die spanische Weihnachtslotterie teilprivatisiert werden sollte. Der Börsengang der „Loterias y Apuestas del Estado" wäre der größte in der Geschichte Spaniens gewesen und sollte bis zu 9 Milliarden € einbringen. Jedes Jahr organisiert diese Lotteriegesellschaft die äußerst populäre Weihnachtslotterie "El Gordo", die allein im vergangenen Jahr Preise im Gesamtwert von 2,3 Milliarden Euro auszahlte.

Die Lotterie sollte eigentlich in diesen Tagen an die Börse gehen. Die Einnahmen sollten zum Schuldenabbau eingesetzt werden. Doch wegen der Turbulenzen an den Aktienmärkten wird die Teilprivatisierung jetzt gestoppt. Der geplante Börsengang fällt aus. Hoffnung für einen zweiten Versuch gibt es nur, wenn sich die Aktienmärkte beruhigen und die jetzige Regierung die Wahlen gewinnt. ("Das Vorhaben könnte fortgesetzt werden, wenn sich die Marktbedingungen verbessern", so das spanische Wirtschaftsministerium.) Man kann aber aus heutiger Sicht davon ausgehen, dass keine der beiden genannten Bedingungen erfüllt werden.

Ministerpräsident Zapatero hat für den 20. November vorgezogene Wahlen anberaumt, dazu wird das Parlament im September aufgelöst. Bis Jahresende soll die neue Regierung im Amt sein. Wenn aber, wovon auszugehen ist, die konservative Volkspartei (PP) die Wahlen gewinnt, ist der Börsengang damit wohl vom Tisch, die PP ist strikt gegen den Verkauf der Lotterie.

Das wäre doch nur zu schön gewesen: plötzlich doppelte Gewinnchancen bei der Weihnachtslotterie: zum einen als Aktionär und zum anderen als Käufer von einem Los.

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