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Spanische Erbschaftssteuer, eine tödliche Falle

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6 Mai 2013

Eine der meist gestellten Fragen an einen Anwalt oder Steuerberater geht sicherlich nach den Steuern, die bei einem Immobilienverkauf zu entrichten sind. Ich weiß aus Erfahrung, mit der Nennung der 21 % (bei Verkauf durch eine natürliche Person) löst man keine Freude aus. Nicht, dass es mir an Mitgefühl fehlen würde, aber man muss schon alles in Relation setzen. Wer einen Gewinn macht und das Geld in der Kasse hat, kann darf und soll auch etwas abgeben können, denn wir alle wollen. dass es gute Schulen gibt, die Straßen nachts beleuchtet und wir von Kriminellen geschützt sind.

Das alles soll nicht heißen, dass man jegliche Steuer kritiklos akzeptieren und durchwinken sollte. In der Tat gibt es unangemessen hohe ja geradezu destruktive Steuern, die nicht Gewinne teilweise abschöpfen, sondern rechtmäßig erworbenes Vermögen mutwillig zerstören. Klar, hier ist die Rede von der Erbschaftssteuer. Ob es daran liegt, dass man bei einem Hauskauf natürlich kaum an den Moment denken mag, an dem man selbst als Eigentümer verstirbt? Oder auch, dass die Erbschaftssteuer ja nicht den Erblasser, sondern vielmehr andere (die Erben) betrifft? Wie auch immer, diese Steuer ist weitaus gravierender, ja ruinöser als alle anderen erdenklichen Steuern. Und das liegt auch an der dann doch etwas anderen Situation als bei einem Verkauf: hier liegt nämlich nicht der Kaufpreis eines Käufers auf dem Tisch, von dem man einen Teil an das Finanzamt abzweigen muss. Entweder die Erben haben genügend Vermögen, um die Steuer aus eigener Tasche bezahlen zu können oder sie sind gezwungen, das gerade soeben erst ererbte Haus zu verkaufen, um die Steuern bezahlen zu können, letzteres kein Einzelfall übrigens.

Sieht man dazu auch noch den Umstand, dass die Höhe dieser Steuer oft deutlich über der oben beschriebenen Gewinnssteuer liegt, kommt man schnell zu Erkenntnis, dass eine rechtzeitige Vermeidungsstrategie sinnvoll ist.

Die spanische Erbschaftssteuer ist in der Tat ein großes Ärgernis, potenziert noch dadurch, dass Spanien und Deutschland bei ihren Verhandlungen über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen (in Kraft seit 01.01.2013) die Erbschaftssteuer völlig außen vor gelassen haben. Damit darf Spanien auch bei Ausländern die volle (staatliche!) Erbschaftssteuer anfordern, nicht etwa die günstigeren Sätze der Balearen: Hier nur ein paar Kernpunkte:

  • Freibetrag für Ehegatten oder Kinder jeweils nur 15.965 €,
  • Folge: bei einem Wert eines Hauses von 500.000 € Erbschaftssteuern in Höhe von ca 100.000 €, bei Wert von 800.000 € bereits das Doppelte (200.000 €)
  • liegt die Erbmasse über 800.000 € steigt die Erbschaftssteuer sogar auf 34 %.
  • Erbt statt der Ehefrau die Freundin gibt es einen Zuschlag von 100%.

Insgesamt also eine tödliche Falle.

Wie kann man dieser Falle entkommen? Hier gibt es leider keine pauschalen und allgemeingültigen Antworten: Einrichtung einer Finanzierung mit dinglicher Absicherung auf der Immobilie, Vorwegnahme des Erbfalls durch Übertragung an die Kinder unter Einräumung eines Nießbrauchs sind nur Ideen, die nicht auf jeden Einzelfall passen. Oder soll man die Immobilie gleich auf eine Gesellschaft übertragen? Aber auch das ist keineswegs eine ideale Lösung, denn auch die Gründung und Unterhaltung einer Gesellschaft kostet Geld, auf der anderen Seite zahlen Gesellschaften weder Einkommenssteuer noch Vermögenssteuer; hier ist also eine sorgfältige Vergleichsrechnung zwingend.

Andere hoffen vielleicht auf eine Änderung der Gesetzgebung zur Erbschaftssteuer. Denn hier gibt es derzeit noch eine eklatante Fehlbehandlung zwischen den Residenten der einzelnen Comunidades Autonomas und den Nicht-Residenten. Während für die Ersteren die regionalen Gesetze mit erheblichen Vergünstigungen gelten (Erbschaftssteuer 1 %, Schenkungssteuer 7 % zwischen Familienangehörigen) müssen Nicht-Residente die oben beschriebenen erheblich höheren staatlichen Steuern zahlen.

Spanien wurde von der EU verurteilt, seine entsprechende Gesetzgebung zu ändern, hier läuft das Berufungsverfahren vom 7. März 2012 (Az C- 127/12). Insoweit wird von vielen Beratern viel Euphorie verbreitet, aber man sollte nicht zu früh ein selbst gewünschtes Ergebnis bejubeln; immerhin geht es hier nicht um den Antrag auf Abschaffung der Erbschaftssteuer, sondern vielmehr um eine Gleichstellung, die in der Logik eines geldknappen Staates ja auch in der umgekehrten Lösung bestehen kann, nämlich die Erbschaftssteuer auch für Residenten zu erhöhen.

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