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Über die Ursachen von Korruption

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2 Januar 2015

Wir leben in sehr aufgeklärten modernen Zeiten, es gibt Demokratie und Gewaltenteilung und falls dennoch etwas schiefgehen sollte, gibt es auch noch die so genannte „vierte Gewalt“, nämlich die Presse, die Missstände anprangern kann.

Bei soviel wechselseitiger Kontrolle und Überwachung ist es eigentlich logisch kaum erklärbar, wie Korruption überhaupt entstehen kann. Aber die allseits bekannten Fakten zeigen in aller Deutlichkeit: Selten hat es in Spanien im vergangenen zehn Jahren so viel Korruption gegeben wie heute. Und hier geht es beileibe nicht darum, nur auf spanischen Politiker herum zu hacken, Korruption gibt es selbst verständlich auch in Deutschland.

Ich habe zugegebenermaßen eine etwas exotische Erklärung für das gehäufte Auftreten von Korruption in Spanien. Wie war es denn eigentlich früher? In der Franco Zeit, an die ich mich noch sehr gut erinnern kann, wurden politische Ämter quasi auf Lebenszeit vergeben. Und natürlich gab es auch da Korruption. Wer auf dem Amt etwas erreichen wollte tat gut daran, ein paar Geldscheine einzustecken. Das galt nicht nur für die banale Beschleunigung eines Antrages, sondern auch für die etwas großzügigere Bewertung eines Bauantrag.

Man sollte also keineswegs unterstellen, dass die moralischen Standards seinerzeit höher waren als heute, die Menschen haben sich, fürchte ich, nicht verändert. Aber dennoch gibt es einen ganz wesentlichen Unterschied: in der Franco Zeit hatte ein Bürgermeister oder ein Baudezernent im besten Fall jahrzehntelang Zeit, um sich so ganz nebenbei die Taschen zu füllen, mit anderen Worten, er konnte sehr moderate Tarife in Rechnung stellen, an denen kaum jemand Anstoß nahm, man bekam ja immerhin eine Gegenleistung dafür…

Wenn wir nun in die Neuzeit schwenken ergibt sich ein völlig anderes Bild. Ein demokratisches System, eine Legislaturperiode von nur vier Jahren und eine Vielzahl von Parteien (gerade in Mallorca) und damit der Zwang, sich zu (gelegentlich geradezu absurden) Koalitionen zu verbinden, hat unter anderem dazu geführt, dass, um Eifersüchteleien zu vermeiden, wichtige Ämter nach der Hälfte der Zeit an die andere Regierungspartei wechseln. Damit hat ein moralisch labiler Bürgermeister gerade einmal zwei Jahre Zeit, um neben dem schmalen Bürgermeistergehalt etwas Vermögensaufbau auf der Schattenseite des Lebens zu betreiben. Vornehme Zurückhaltung ist dabei nur schädlich. Wenn das klappen soll muss man a) jede Gelegenheit nutzen und b) nicht nur Kleingeld fordern. Die Folge davon lesen wir nun täglich in der Zeitung. Ministerpräsidenten, Minister, Bürgermeister, Baudezernenten, da findet sich eine illustre Gesellschaft hinter Gittern.

Und noch etwas ganz anderes fällt auf oder wird bestätigt: Kaum einer dieser Politiker wurde bei seinem ersten Fehltritt erwischt. Oft dauert es Jahre, bis Aufsichtsbehörden aufmerksam werden. Nur wenige würden erwischt werden, wenn sie nur ein paar Mal abkassiert und dann aufgehört hätten, aber: Gier kennt keinen Sättigungsgrad (und ein schlechtes Gewissen verliert sich mit der Zeit).

Auch das ist nicht neu: Geld ist die einzige Ware, von der man nicht genug kriegen kann: Champagner? Kaviar? Autos? Häuser, Boot? Irgendwann reicht es dabei, aber bei Geld hört es nie auf: Wer 1 Million hat, will 5, wer 5 hat, will 10 und selbst wer 100 Millionen hat will 200.

Gibt es Hoffnung? Kann man die Korruption besiegen? Wohl kaum! (Auch) Da hat die Bibel recht: "Man kann dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden"

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