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Der Sprachenstreit: Konflikt zwischen Kultur und Zukunft

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8 April 2016

Es gibt wohl hier in Mallorca derzeit kein gefährlicheres Minenfeld, als sich in den Sprachenstreit einzumischen. Die Positionen sind völlig unversöhnlich: Die Landesregierung besteht auf der Verfassung, die die Gleichberechtigung des auf dem gesamten Staatsgebiet verbindlichen castellano mit der jeweiligen Landessprache fordert, aber eine starke Opposition beklagt eine Unterdrückung des catalán. Mir fällt allerdings auf, dass die Demonstranten nicht etwa eigene Rechte einfordern (denn die sprechen mit Sicherheit alle Catalán), sondern alle anderen verpflichten wollen.

Klar, hier stehen wir vor einem unlösbaren Problem und es ist geradezu tragisch, dass es kaum eine Kompromisslösung geben dürfte. Und da ich mich mit niemandem anlegen möchte , hier nur ein paar ganz allgemeine und objektive Anmerkungen, die keineswegs wertend gemeint sind :

1. Eine eigene Sprache verbindet nach innen und schafft damit ein wichtiges Gemeinschaftsgefühl , ist identifikationsstiftend, sie ist das unverzichtbare Bindeglied zu Kultur, Musik und den Gebräuchen der Region. ABER: Sie hat aber auch eine unangenehme Kehrseite: diese gleiche Sprache führt nach außen hin gegenüber Außenstehenden zu einer Abgrenzung. Das Erstere ist mehr als legitim, das Zweite mehr als bedenklich.

2. Gute Sprachen kenntnisse werden in einer globalisierten Welt immer wichtiger, trotz China und Russland: Englisch ist zur umfassenden Weltsprache geworden, mit der man sich überall auf der Welt verständlich machen kann (mit Mandarin ist das schwieriger) . Gerade in meinem juristischen Bereich wird das deutlich: Ein Vertrag zwischen einem deutschen und einem südamerikanischen Unternehmen wird ganz selbstverständlich auf Englisch verhandelt und abgefasst.

3. Eine Region, die so vom Tourismus abhängig ist, wie Mallorca muss sich auf die Sprachen der Gäste (vornehmlich natürlich Englisch) einstellen. Die Tausenden von Radfahrer , die ab Februar in teilweise unüberschaubaren Wellen zwischen Palma und Arenal unterwegs sind und schreiend und brüllend Kinder und Fußgänger von den Wegen scheuchen, (Rennräder kosten zwar 3.000 €, haben aber keine Klingel) können erkennbar mit dem ständigen Hinweis: “prioritat al vianant” nichts anfangen.

4. Warum hat sich ausgerechnet Indien zu der größten Wachstumsregion der Welt im Bereich von Software -Entwicklung , IT und Telekommunikation entwickelt, erstaunlich doch eigentlich für ein Entwicklungsland? Warum nicht in Thailand, Vietnam oder Südkorea? Der Grund ist sehr einfach: Indien ist das einzige Land in Südostasien, in dem, trotz einer großen Vielfalt von regionales Sprachen jeder Englisch spricht, vom Kindergarten bis in die Uni.

Insbesondere gilt das für die Region Bangalore, heute das “Silicon Valley von Indien” genannt. Dort hat sich eine breite Mittelschicht von hoch qualifizierten und überdurchschnittlich verdienenden Informatikern gebildet. Die Region Bangalore hat ca 8,5 Mio Einwohner und ist daher ziemlich genau so groß wie Katalonien und die Balearen zusammen. Auch in Bangalore gibt es eine eigene Regionalsprache, Kannada, die Verwaltungs - und V erkehrssprache ist, die auch in den Familien, in den Gebräuchen und Traditionen eine große Rolle spielt . Jede Familie in Bangalore weiß aber, dass vorrangig vor der Lokalsprache nur perfekte Englisch-Kenntnisse den Kindern ein berufliches Auskommen sichern werden. Diese bewusst gewählte Reihenfolge hat sich, wie man heute sieht, gelohnt.

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