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Dia-Abende und Selfies

BLOG
28 January 2015

Also, meine Kinder finden es furchtbar, wenn ich von früher erzähle, aber dennoch, es gibt so manche Erinnerungen, die man doch gerne weitergeben möchte. Eine ganz unangenehme Erinnerung für mich sind die „Dia-Abende“, die in meiner Verwandtschaft sehr beliebt waren. Immer wenn bei einem Familienfest einer größere Truppe zusammen kam, hatte (meistens der Gastgeber) die großartige Idee, unbedingt die fantastischen Bilder aus dem letzten Urlaub in Holland zeigen zu müssen, in der festen Überzeugung, dass daran großes Interesse bestehe. Schnell wurde ein Betttuch an die (meist farbenfroh bunte) Tapete gepinnt, der Projektor aufgebaut und Onkel Karl kam aufgeregt mit mehreren Kisten von Diapositiven an. Der Raum wurde abgedunkelt und schon es ging los.

Man schaute sich die entzückenden Bilder von der kleinen Luise an, wie sie im Sand spielt, Tante Ilse, wie sie einen grünen Hering im Stile eines Feuerschlucker in ihrem Rachen versenkt, was alles bei den ersten Bildern noch einen gewissen Charme hatte. Nach 30 Bildern traten dann allerdings, außer bei den an den Bildern unmittelbar Beteiligten und Dargestellten erste Ermüdungserscheinungen auf, verstärkt noch durch die Dunkelheit im Raum. Nach 100 Bildern konnte man den ausschweifenden Schilderungen ( "Guck mal da, Onkel Wilhelm baut eine Sandburg..." ) nicht mehr so recht folgen, musste nach 150 Bildern ernsthaft mit dem Schlaf kämpfen und wenn es dann nach 300 Bildern endlich vorbei war und das Licht anging, war die Laune dahin.

Das ging keineswegs nur mir so, sondern auch anderen Gästen litten in gleicher Weise, wobei mir nie in den Kopf ging, dass die Gastgeber das nie merkten. Egal, diese Zeiten sind vorbei und es gibt weder Dias noch Dia-Projektoren, dachte ich....

Dennoch fühle ich mich heute manchmal in die Vergangenheit zurückversetzt und das, kaum zu glauben, durch modernste Technik, die doch eigentlich die Aufgabe haben sollte, uns vor der unsäglich rückständigen technikfreien Vergangenheit zu befreien.

O.k., als Handys auf den Markt kamen war dies eine große Erleichterung. Ich kann mich noch an die alten D- Netz Telefone erinnern, unendlich klobig und schwer und vor allem musste man die Vorwahl des Bereichs kennen, indem sich der Anzurufende gerade aufhielt. Dann wurden die Handys immer besser und vor allem immer kleiner und ich kann mich noch an manche Männerrunde erinnern, in der darüber gestritten wurde, wer denn nun den kleinsten hätte…

Aber auch das ist Vergangenheit und jetzt gibt es ja Smart-Phones, die allerdings aus meiner Sicht weder das eine noch das andere sind, und wer schon einmal versucht hat, im Sonnenlicht eine Nummer zu wählen kann das verstehen, zudem sind sie unhandlich und untertassengross, man könnte auf ihnen problemlos eine Currywurst verzehren, was ich nur deshalb erwähne, weil ich Currywurst (auch nicht) mag.

Begeisterung lösen diese Geräte sind allerdings insbesondere bei der Jugend aus, weil sie Dinge beherrschen, die kein Mensch ernsthaft braucht, hierzu gehört unter anderem fotografieren. Während man früher eine Kamera an das Auge klemmen musste, um ordentlich zu fotografieren, erkennt man die Handy-Fotografierer leicht daran, dass sie ihr Gerät an möglichst ausgestreckten Armen halten (was eigentlich selbst schon ein durchaus fotografierenswürdiger Anblick ist).

Die schlimme Folge dieses Tuns (und nun nähern wir uns langsam wieder dem Grauen eines Dia-Abends) ist aber leider, dass, wenn man in einer netten und fröhlichen Runde zusammensitzt, plötzlich jemand unbedingt die Fotos von der letzten Party, Ausflug, Kindern, Verwandtschaft, Gebäude, Landschaften, Boote, halt irgendwas zeigen möchte. Hierdurch wird in aller Regel eine nicht aufzuhaltende Kettenreaktion in Gang gesetzt, weil sich nun jeder bemüßigt fühlt, sein eigenes Gerät auszupacken und nun seinerseits unfassbar interessante und lustige Bilder zu zeigen.

Und da man ja, trotz aller Anstrengungen, im Laufe eines Tages nicht immer und ständig etwas fotografierungswürdiges findet, tritt an dessen Stelle das sog. „selfie“. Ich hatte immer die Hoffnung, dass dieser Begriff Fotos bezeichnet, die sich ausschließlich nur der Fotograf/Fotografierte selbst anschauen darf, aber das ist leider ein Irrtum. Die Verbreitung dieser „selfies“ hat damit die Möglichkeiten potenziert, Fotos zu machen, die zwar besonders witzig oder albern sein sollen, aber oft in tragischer Weise das Unvermögen des Fotografierenden und/oder sein gelegentlich wenig schmeichelhafte Aussehen dokumentieren. Man sollte diese selfies 10 Jahre aufheben, ich wette, die werden dann nur noch als peinlich empfunden.

Und dann sitzt man in dieser Runde, handys werden über den Tische gereicht, bzw. herumgezeigt, und wenn dann noch ein oder mehrere i pads im Raum sind, dann weiß ich, der Abend ist gelaufen und spätestens dann denke ich an die schönen Dia-Abende mit Onkel Karl zurück.

P.S. Versprochen, in meinem nächsten blog geht es wieder ausschließlich um juristische Themen.

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