Lawyers in Mallorca

Article

Wenn Kinder zu Waisen werden

BLOG
8 April 2016

Ein wichtiger Teil der Arbeit eines Anwaltes besteht darin, Vorsorge zu treffen, Regelungen und Bestimmungen vorzusehen für alle möglichen auch äußerst unwahrscheinlichen Lebenssituationen. Dies kontrastiert aber leider oft mit der menschlichen Natur, die negative Gedanken am liebsten ausblenden möchte. Man erkennt dies schon daran, wie schwer es ist, einen Mandanten davon zu überzeugen, ein Testament zu machen, dabei ist der eigene Tod eine definitiv feststehende Tatsache, überflüssig ist eine solche Maßnahme also keineswegs.

Aber wer Verantwortung für seine Familie und insbesondere Kinder trägt, muss auch dieser Verantwortung dadurch gerecht werden, dass er wirklich alle möglichen Eventualfälle einbezieht, auch wenn sie höchst unwahrscheinlich sind und (hoffentlich) nicht eintreten. Dass minderjährige Kinder plötzlich, sei dies durch Unfal l oder schwere Krankheit beide Elternteile verlieren , plötzlich zu Waisen werden, ist leider keine Fantasie, sondern bittere Realität. Daher , so unwahrscheinlich das auch sein mag, lohnt es sich, für einen solchen Fall klar zu regeln, was dann geschehen soll : Wo sollen minderjährige Kinder leben , falls beide Elternteile versterben? Hier die deutsche Rechtslage: In diesen Fällen liegt die Zuständigkeit beim Familiengericht ( §§ 1773 und 1774 BGB) , dass sich üblicherweise für nahestehende Verwandte entscheiden wird. Dies müssen nicht zwingend die Taufpaten des Kindes sein.

Etwas anderes gilt aber, wenn die Eltern sich in einer so genannten “Sorgerechtsverfügung” eindeutig darüber erklärt haben, wer der Vormund sein soll. Bei dieser Verfügung handelt es sich eigentlich um ein Testament, so dass auch insoweit alle entsprechenden Regelungen gelten (handschriftlich verfasst, persönlich unterschrieben ). Auch das Gesetz berücksichtigt das in 1779 BGB: „ Bei der Auswahl unter mehreren geeigneten Personen sind der mutmaßliche Wille der Eltern, die persönlichen Bindungen des Mündels, die Verwandtschaft … zu berücksichtigen.“

Es ist daher wichtig, dass die Eltern schon zu Lebzeiten klar und deutlich regeln, bei wem ihre Kinder leben sollen, wenn beide Elternteile versterben sollten (oder wer gerade ausgeschlossen sein soll) . Wichtig ist auch, dass gegebenenfalls ein Ersatzvormund genannt wird, sollte auch der erstbenannte Vormund ausfallen. Und natürlich sollten die eingesetz ten Personen schon vorab informiert werden. Sie sollten nicht vergessen zu regeln, wer sich im Fall der Fälle um die Vermögensverwaltung für die minderjährigen Kinder kümmern sollte. Empfehlenswert ist, dass hier eine weitere Person eingesetzt wird. Sie sehen, dass in der Regel eine umfassende Erklärung zum Wohle der Kinder sinnvoll sein wird.

Das Gericht wird von der getroffenen Verfügung nur dann abweichen, wenn die als Vormund eingesetzte Person in keiner Weise geeignet ist.

Dann kann das Gericht zum Wohle des Kindes eine andere Entscheidung treffen. Kinder ab 14 Jahren werden allerdings selbst zu der Bestimmung des Vormundes gehört, die letzte Entscheidung hat aber immer das Familiengericht.

Wenn zwei Nationalitäten aufeinander treffen sind derartige Angelegenheiten sowohl nach dem deutschen als auch nach dem spanischen Recht zu beurteilen, bzw. wenn das (deutsche) Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hier in Spanien hat. Gesetze und Vorgehensweisen ähneln sich jedoch glücklicherweise:

Sowohl nach dem spanischen als auch nach dem deutschen Recht wird im Falle des Versterbens beider Elternteile ein Gericht (das Gericht des Lebensmittelpunktes des Kindes) darüber entscheiden, bei wem das Kind leben wird,. Das Gericht wird dabei den vermutlichen Willen der Eltern, die Bindung der Kinder an bestimmte Personen, die persönlichen Verhältnisse , wie auch die Vermögenslage , selten aber familieninterne Zwistigkeiten und/ oder Abneigungen berücksichtigen (die es nicht wissen kann) .

In Spanien sind Sorgerechtsverfügungen vor einem Notar zu protokollieren. Es bietet sich hierbei an, gleichfalls testamentarische Verfügungen bezüglich finanziellen Versorgung und der Verwaltung des Vermögens zu treffen. Diese Testamente werden sodann automatisch in das Zentralregister in Madrid eingetragen . Dadurch ist im Todesfall gesichert, dass der Wille der Eltern Berücksichtigung findet.

In der Praxis empfiehlt es sich oft zwei Personen zu bestimmen, einen als Vormund für das minderjährige Kind und den anderen für das (ererbte) Vermögen.

Do you want to keep up with our articles?

Subscribe to our website and we will inform you when a new publication appears
subir